Ständig Streit in der Beziehung

ständig streit in der beziehung paar sitzt verzweifelt auf einer bank

Wie zur Hölle konnte das passieren? Ewig ging es uns sehr gut, doch irgendwie streiten wir jetzt nur noch.Woher kommt denn das auf einmal? Oder kam es vielleicht doch nicht plötzlich und wir haben schon länger ständig Streit in der Beziehung?

Viele Paare die zu mir kommen, wissen häufig auf den ersten Blick gar nicht genau wann ihre Probleme angefangen haben. Neulich sagte mir ein Paar: „Und seit Monaten haben wir nun schon solche Schwierigkeiten….oder Moment….vielleicht sind es mittlerweile doch schon 1-2 Jahre. Wahnsinn! Wir brauchen einen Neuanfang

Wenn es ständig Streit in der Beziehung gibt, kommen die Paare oft an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Das ist auch nicht verwunderlich. Streit sorgt dafür, dass wir unter emotionalen und körperlichen Stress geraten. Zusätzlich fühlen wir uns deutlich distanzierter unserem Partner gegenüber, als wir es eigentlich wollen. Und wenn dies über einen längeren Zeitraum von statten geht, dann stellen wir uns häufig die Sinn-Frage: „Warum tue ich mir das hier eigentlich noch an?!“

Um mit dem Thema ständig Streit in der Beziehung ordentlich umgehen zu können, hilft es uns, zu verstehen, wo dies eigentlich herkommt. In diesem Artikel gebe ich dir Hintergrundwissen über die sogenannten Eskalationsspiralen. Das sind Muster, die bei uns und unserem Partner immer wieder ablaufen, was dann dazu führt, dass es ständig Streit in der Beziehung gibt.

Ständig Streit in der Beziehung – wie alles beginnt….

Also beginnen wir von vorn. Beziehungen starten ja in der Regel sehr positiv. Wir fühlen uns gut, wir sind verliebt und wir haben das Gefühl, unser Partner und wir passen perfekt zusammen. Doch über die Zeit wird uns diese Illusion genommen. Wir merken, wir haben ja doch unterschiedliche Ansichten von bestimmten Dingen. Dann beginnen wir, die ersten Diskussionen und Auseinandersetzungen zu führen und bei einigen Paaren wird die Entwicklung dann negativer und negativer.

Das Modell, das ich dir jetzt vorstellen werde basiert auf Studien von Jerry Pattinson, der festgestellt hat, dass es in Familien Interaktionsmuster geben kann, die zu bestimmten negativen Lernerfahrungen führen können, die langfristig schlecht für die ganze Familie sind.

Diese Erkenntnisse hat er dann 1972 in ein Modell für Paarbeziehungen überführt, denn er hat festgestellt, dass es auch dort Zangsprozesse gibt, die dazu führen, dass Partner inkongruenter kommunizieren und es dadurch zu ständig Streit in der Beziehung kommt.


Ein Beispiel

Die Frau kommt ins Wohnzimmer und sagt „Schatz, könntest du bitte den Müll runterbringen?“. Der Mann sitzt grad in seinem Sessel, liest und reagiert nicht auf ihre Frage.

Daraufhin macht sich die Frau nochmal verständlicher und sagt: „SCHATZ, kannst du bitte den Müll rausbringen?“

Der Mann reagiert nur mit einem undefinierbaren Brummen.

Die Frau sieht das als ein Zeichen seiner Zustimmung und geht.

Als Sie 30min später wiederkommt, steht der Müll immernoch da.

„SCHATZ, ICH HAB DICH GEBETEN, DEN MÜLL RUNTERZUBRINGEN…MACHST DU’S JETZT ENDLICH!!???“

Der Mann ist erbost über diese negative Energie, wird auch sauer, aber erhebt sich dann und bringt stillschweigend mit böser Miene den Müll runter.


Grundstätzlich ist es überhaupt kein Problem, wenn man mal nicht zugehört hat, oder nicht verstanden hat, was der Partner gerade von einem wollte.

Doch wenn dies öfter passiert, machen die Partner gewisse Lernerfahrung in der Kommunikation, die dann dazu beitragen, dass sich die Stimmung spiralenartig nach unten bewegt. Oder wenn man es anders verbildlichen will: Der Streit eskaliert spiralenartig nach oben (=Eskalationsspiralen).

Unbewusste Lernerfahrungen, die zu wiederkehrendem Streit führen

Die Frau lernt in diesem Beispiel, dass ihr Mann nicht auf sie hört, wenn sie normal mit ihm spricht. Sie lernt unterbewusst „Ich muss meine Stimme erheben, damit er überhaupt auf mich reagiert.“

Der Mann lernt, dass er auf die erste Aussage oder die erste Bitte seiner Frau nicht reagieren muss, denn wenn ihr etwas wichtig ist, wird sie es schon nochmal sagen.

Desweiteren kommt hier noch ein psychologischer Lerneffekt zum tragen. Wenn die Frau so laut wird und nörgelt, ist das dem Mann unangenehm und er macht es endlich, damit sie aufhört. Wenn man etwas tut, damit etwas Negatives aufhört, nennt man dies negative Verstärkung. Man wird quasi belohnt, weil etwas, das uns belastet, weggenommen wird (in dem Fall das Nörgeln und die Lautstärke).

Das Problem ist dann: er bekommt die positive Verstärkung nicht. Wenn er es gleich gemacht hätte und seine Frau ihm dann freudestrahlend gegenübersteht, ihn küsst und ihm dankt, hätte er sich richtig gut fühlen können.

Der zweite psychologische Lerneffekt, der sich hier ausspielt ist die sogenannte Habituation. Dies ist, einfach ausgedrückt, die Gewöhnung an einen gewissen Umstand. In diesem Fall die Lautstärke der Frau. Die Frau muss also immer lauter werden, da es sich vermehrt normal anfühlt. Du kannst das so ein bisschen vergleichen, wie jemand, der immer mehr Alkohol braucht, weil er „gut im Training“ ist.

Was passiert wenn wir ständig Streit in der Beziehung haben?

Folgen dieser Lernerfahrungen sind natürlich die wachsenden negativen Gefühle und die Genervtheit.

Die Frau fragt sich: „Mann, kann der nicht mal gleich seinen Arsch hochkriegen?“ Der Mann sagt sich: „Alter, die geht mir schon wieder so sehr auf den Sack, warum muss sie immer so nörgeln!?“

Wenn wir nun also davon ausgehen, dass dies eine Situation ist, die immer wieder passiert bei dem Paar, dann müssen wir davon ausgehen, dass sie immer wieder diese negativen Lernerfahrungen machen und immer wieder diesen negativen Gefühlen ausgesetzt werden. Diese Wiederholung führt über die Zeit gesehen dazu, dass Frau und Mann immer mehr diese Rollen einnehmen und ständig Streit in der Beziehung zum Normalzustand wird.

Wenn wir uns nun noch mal die Rollen der beiden genauer anschauen, dann fällt auf, dass die Menschen in diesen Eskalationsspiralen häufig entgegengesetzte Positionen einnehmen. Der Eine Partner ist anklagend, der andere beschwichtigend. Der Eine verfolgt, der Andere flüchtet. Der Eine klammert, der Andere verlangt mehr Freiraum. Der Eine dominiert viel, der Andere ordnet sich unter. Der Eine greift ständig an, der Andere ist immer im Rechtfertigungsmodus. Der Eine investiert extrem viel, der Andere investiert immer weniger. Wenn die Beziehungspartner regelmäßig diese entgegengesetzten Positionen einnehmen dann ist ständig Streit in der Beziehung vorprogrammiert.

STEHT DEINE BEZIEHUNG VOR DEM AUS OHNE DASS DU ES MERKST?

Hilft die Kenntnis über Eskalationsspiralen bei ständigem Streit?

Nun schon allein die Kenntnis darüber, ob es bei euch solche Spiralen gibt hat 2 Vorteile:

  1. 1
    Es kann euch helfen, die Situation zu normalisieren. Was bedeutet das? Ihr könnt sehen, dass ihr nicht allein mit dem Problem seid und dass es auch Anderen so geht. Das nimmt den Meisten schone eine gewisse Last von den Schultern.
  2. 2
    Es wird euch helfen, die Situation leichter zu verändern. Stell dir vor 2 Menschen wollen an einen bestimmten Ort fahren mit dem Auto. Der Eine hat ein Navigationssystem, kennt seinen jetzigen Standort und sein Ziel. Der Andere hat kein Navi und weiß nicht mal genau wo er ist. Wer von beiden findet eher an sein Ziel? Natürlich der mit Navi oder Landkarte. Von daher ist es extrem nützlich zu identifizieren, wo gibt es bei uns ständig Streit in der Beziehung und in was für eine Spirale geraten wir da rein. So könnt ihr im nächsten Schritt da rangehen und dies verändern.

QUÄLT DICH DEINE EIFERSUCHT?

Abschließende Worte

Ich hoffe, dieser Artikel war einleuchtend für dich und hat dir ein paar Gedankenimpulse gegeben, die dir weiterhelfen. Wenn du jemanden kennst, dem dieses Wissen weiterhelfen könnte, dann teile diesen Artikel gern mit ihm.

Wenn du selbst ein Beziehungsthema hast, bei dem du dir helfen lassen möchtest, dann schau mal in meinen Kalender, da kannst du ein kostenloses Erstgespräch ausmachen. In diesem Erstgespräch kannst du mir von deinen Herausforderungen erzählen und wo du stattdessen hin möchtest. Ich werde dort auch möglichst viel über mich preisgeben, damit du entscheiden kannst, ob du mich magst und mir vertraust und somit, ob du mit mir arbeiten möchtest. Ich freue mich auf unser Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*