Trennung verhindern (was wirklich funktioniert)

Das ist bereits der zweite Artikel zum Thema „wie ich vorhersagen kann, ob ihr euch trennen werdet“. Es geht darum, wie ihr eure Trennung verhindern könnt. Ich habe schon im ersten Artikel geschrieben, dass es Forschungsergebnisse gibt, die zeigen:

Wenn man ein Paar 15 Minuten lang streiten sieht, kann man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen, ob sie sich später einmal scheiden lassen oder trennen werden.

Den ersten Artikel kannst du dir hier ansehen.

Ramón Schlemmbach_Trennung vorraussehen - Trennung verhindern

Diese Forschung stammt von John Gottman. John ist ein amerikanischer Paarforscher, der sehr interessante Arbeit geleistet hat. Ich habe schon im ersten Artikel zu diesem Thema gesagt, dass ich sein BuchDie 7 Geheimnisse einer glücklichen Ehe“ sehr empfehlen kann.

In dem Buch zeigt er auf Basis von wissenschaftlichen Ergebnissen, wie eine Beziehung gut funktioniert. Das Buch ist so einfach zu lesen, dass jede Privatperson, dass gut auf sich anwenden kann.

Wenn du willst, kannst du das Buch bei Amazon kaufen. Der Preis liegt bei etwa 20 Euro. Mir hat es viel Spaß gemacht, das Buch zu lesen.

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Die wichtigsten Erkenntnisse stelle ich euch in diesem Artikel vor. 

Und zwar hat er sechs große Anzeichen feststellen können, an denen man erkennen kann, ob eine Beziehung scheitern wird. Mit diesem Wissen kann man die Notwendigen Veränderungen schaffen, um die Trennung verhindern zu können. 

Punkt 1: Der grobe Auftakt

Die Nummer 1 ist der grobe Auftakt, wie der Autor das nennt. Ich habe gesagt, wenn man 15 Minuten Streit eines Paares sieht, dann kann man vorhersagen, ob sich das Paar einmal trennen wird. Zumindest dann, wenn man weiß, worauf zu achten ist.

Gottman hat noch eine Sache festgestellt: Wenn er die ersten drei Minuten beobachtet, also den Auftakt des Streites, dann kann er vorhersagen, wie der Streit endet. Und wenn wir immer wieder ein schlechtes Ende produzieren, also der Streit immer schlecht endet, dann ist das Risiko hoch, dass sich das Paar trennt. Wenn du dies erkannt hast, dann kannst du daran arbeiten und eine mögliche Trennung verhindern. 

Der grobe Auftakt ist jetzt Folgendes: Du kannst mit einer Beschwerde zu deinem Partner gehen, weil er dir etwas versprochen hat und das nun nicht eingehalten hat. Er hat dich damit verletzt, weil er beispielsweise nicht auf deine Gefühle geachtet hat. Du kannst einfach und zu Recht sagen, dass du das nicht in Ordnung findest und ihr redet spezifisch über die Situation. Das ist völlig in Ordnung. Ein grober Auftakt hingegen ist eine Übergeneralisierung. 

Beispielsweise:

  • Du bis so faul
  • Du bist so unfair
  • Aber du denkst nie an mich
  • Eine sarkastische Bemerkung
  • Eine zynische Bemerkung

Das heißt, wenn du schon mit vollem Karacho beginnst, also sehr grob und mit sehr viel Negativität, dann kann man schon zu Beginn erkennen, wie das Streitgespräch ausgehen wird. Und damit eventuell auch, wie eure Beziehung einmal ausgehen wird.  

Die Alternative zu diesem groben Auftakt ist erst einmal runterkommen und sagen: „Schatz, da gab es etwas, das fand ich nicht in Ordnung. Können wir mal darüber sprechen?“. Übrigens, zu dem Thema, wie man Probleme anspricht, habe ich auch ein Video produziert. Den Link findest du hier:

https://www.youtube.com/watch?v=L7BMQJ4fdy4

Punkt 2: Die 4 apokalyptischen Reiter

Das zweite Anzeichen, dass John Gottman heraus gefunden hat, waren die vier apokalyptischen Reiter. Das habe ich schon in dem ersten Artikel zu diesem Thema besprochen. Noch mal kurz zur Wiederholung: 

Die übergeneralisierende Kritik:

Das waren die übergeneralisierende Kritik, das bedeutet anstatt zu sagen „gestern fand ich das nicht okay“ das zu übergeneralisieren auf seinen Charakter, wie beispielsweise „du bist faul“, „du interessierst dich nicht für mich“, „du bist unzuverlässig“ und so weiter. Das war der apokalyptische Reiter Nr. 1. 

Die Verachtung:

Der zweite ist Verachtung. Das heißt, wenn wir miteinander reden, rolle ich beispielsweise immer mit den Augen oder greife dich übermäßig an. Oder der Partner reagiert sehr zynisch. Und wenn du einen Lösungsvorschlag bringst, dann sagt der Partner: „Ja, ja das hatten wir schon mal. Das hast du noch nie hingekriegt“ … und so weiter und bringt dabei diese starke, verachtende Energie rüber.

Die Rechtfertigung:

Nummer drei ist die Rechtfertigung, also sich herausreden wollen als der, der angegriffen wird. So geht es dann auch gern einmal hin und her mit einem regelrechten Schlagabtausch. Es hat sich gezeigt, dass das einfach nicht funktioniert. Das macht den Streit nur noch schlimmer.

Das Mauern:

Nummer vier ist mauern. Wenn sich ein Partner emotional zurück zieht, um sich zu schützen und gar nicht mehr richtig in den Konflikt eingeht, sondern weggeduckt gar nicht mehr antwortet, ist das mauern. Wie die hoch gehaltene Zeitung, hinter der man sich dann versteckt und sich damit quasi zurückzieht. Der Grund, warum wir mauern, ist die Überflutung. 

Überflutung bedeutet, dass diese starke Negativität und diese starken übermäßigen Angriffe des Partners dafür sorgen, dass einer der Partner sich verletzt fühlt. Er fühlt sich durch die stark emotionalen Angriffe verletzt und kommt damit nicht klar. Das ist ihm dann alles zu viel. Wenn man diese starken Attacken immer wieder bekommt, löst dieses überemotionale Überflutungsgefühl natürlich beim Partner eine Abwehrreaktion aus. 

Wenn man sich dann besonders emotional zurück zieht, dann ist das ein hoher Risikofaktor für die Beziehung. Die Forschung hat diesbezüglich gezeigt, umso öfter wir uns emotional von den Angriffen unseres Partners überflutet fühlen, desto mehr Aufmerksamkeit haben wir auch für jedes kleine weitere Anzeichen, dass es bald wieder kommen könnte. Das ist auch ganz klar. Evolutionär gesehen, wenn irgend etwas für uns gefährlich ist, dann passt das System besser auf. Und wenn wir nur die kleinsten Anzeichen sehen, dass unser Partner uns wieder unnötigerweise angreift oder ausrastet oder sich verachtend uns gegenüber verhält, dann vermeiden wir manchmal einfach gewisse Themen und wollen nicht mehr reden.

Wenn du du nochmal im Detail lernen möchtest, was die 4 apokalyptischen Reiter ausmacht, dann empfehle ich dir, folgenden Artikel zu lesen: Trennung vorhersagen

Punkt 3: Die körperliche Reaktion im Streit

Das dritte Zeichen ist die körperliche Reaktion im Streit. Ich habe in dem anderen Artikel auch schon kurz angerissen, dass physiologische Prozesse angeregt werden, wenn wir uns streiten. Das bedeutet unser Herzschlag geht hoch, der Blutdruck steigt, Adrenalin wird ausgestoßen und der Körper gerät unter Stress. Dauerhafter Stress ist etwas, was unser System am liebsten vermeiden möchte, weil es nicht gesund für uns ist. Ein anderer Grund, warum diese starke körperliche Reaktion nicht gut ist für die Paarbeziehung ist, ist weil sie dafür sorgt, wenn jemand so unter Stress steht, ist er eher weniger in der Lage konstruktiv zu einer Lösung beizutragen.

Und was bringt dir das jetzt? 

Das bedeutet, wenn wir ruhig miteinander reden würden, könnten wir einfach Lösungen finden. Es ist so, wenn jemand durch die Angriffe des Partners starkem Stress ausgesetzt wird und damit emotional und physiologisch aufgewühlt ist, senkt sich die Fähigkeit ruhig zu bleiben und Lösungen zu finden. Und das wiederum sorgt dafür, wenn man weniger in der Lage ist, eine Lösung zu finden. 

Wenn in der Beziehung dann die Streitigkeiten häufiger schlecht ausgehen, steigt das Risiko, dass ihr euch trennen werdet. Wenn man sich die Überflutung und  diese körperlichen Reaktionen, die man vermeiden möchte,  im Gesamten anschaut, ist die Konsequenz meistens ein Rückzug.

Das sind dann die Paare, die sich irgendwie gar nicht viel streiten. Sie auch noch zusammen sind, leben aber jeder ihr eigenes Leben. Man hat sich emotional so verabschiedet und so zurückgezogen, dass man sich in der eigenen Beziehung einsam fühlt. Das führt in den meisten Fällen zu einer Trennung. Und wenn es nicht zu einer Trennung führt, dann führt das in der Regel zu extrem viel Unwohlsein und Unzufriedenheit in der Beziehung.

Punkt 4: Gescheiterte Rettungsversuche

Das vierte Anzeichen sind gescheiterte Rettungsversuche oder auch nicht vorhandene Rettungsversuche. Rettungsversuche sind Verhaltensweisen, die die Partner in einem Streit benutzen, um den Streit ein bisschen zu deeskalieren und eine womögliche Trennung verhindern zu können.

Das heißt, man könnte sagen: 

  • Ich bin gerade hier auf 180, ich geh mal kurz rüber, ich muss erstmal runterkommen.
  • Lass uns mal eine Pause machen, so bringt das nichts.
  • Einfach ein treu doofer Blick.
  • Ein kleiner Scherz.

Jedes Verhalten, was dazu führen könnte, dass diese krasse Eskalation sich wieder ein bisschen beruhigt. 

Gottman hat in seiner Forschung festgestellt, das es Paare gibt, wo die Probleme so groß sind, dass diese Rettungsversuche nicht mehr funktionieren. Seine Studien haben gezeigt, diese vier apokalyptischen Reiter, wenn sie alle vorhanden sind, man zu 82% vorhersagen kann, dass die Beziehung irgendwann frühzeitig enden wird.

Wenn dann noch dazu kommt, dass die Rettungsversuche im Streit scheitern, dann kann man sogar zu 90% vorhersagen, dass sich das Paar trennen wird. 

Andersherum ist es auch sehr interessant, dass erfolgreiche Rettungsversuche ein extremer Schutzfaktor für die Beziehung sein können und eine Trennung verhindern können. Gottman hat festgestellt, wenn die Rettungsfälle trotz Kommunikationsproblemen des apokalyptischen Reiters erfolgreich sind, erschließt sich eine 84 prozentige Chance, dass Paare auch noch über Jahre glücklich zusammen zu sein können. 

Praktische Ansatzpunkte:

Hier hast du praktische Ansatzpunkte, wie du mit Hilfe der Kommunikation und den apokalyptischen Reitern viel bewegen kannst, um eine Trennng zu verhindern. Auch bei den Rettungsversuchen, wenn du vorher schon weißt, dass du im Streit extrem eskaliert, hast du hier die Möglichkeit dir selbst einfach mal zu sagen „Okay, ich weiß jetzt, wie ich diese Situation deeskalieren kann“. 

Im Streit ist es wichtig diese Rettungsversuche dann einfach mal umzusetzen. Damit kannst du den richtigen Schutzpanzer für eure Beziehung erwirken.

 Nur mal um ein Beispiel zu nennen, wenn du jemand bist, der bisher immer sehr schnell explodiert, herum schreit und böse wird, dann bespreche das mit deinem Partner in einer ruhigen Situation: „Schatz, ich will dich jetzt auch nicht anschreien. Ich habe mir überlegt, wenn ich jetzt das Gefühl habe, ich raste gleich aus, gehe ich mal kurz in die Küche oder in anderen Raum und trinke etwas. Dann komme ich drei Minuten später noch mal wieder.“. Das wäre dann in deinem Fall ein Rettungsversuch, bevor es so richtig eskaliert. So kannst du eine Trennung verhindern.

Punkt 5: Die verzerrte Erinnerung

Jetzt kommen wir jetzt zur Nummer 5, zum letzten Anzeichen für eine drohende Trennung: Die verzerrte Erinnerung. Diesen Punkt finde ich übrigens sehr spannend, weil ich habe meine Masterarbeit auch über verzerrte Erinnerungen und verzerrte Zukunftsvorstellungen geschrieben habe. John Gottman hat heraus gefunden, dass die Depression bei depressiven Menschen aufrechterhalten wird, wenn sie sich zurück erinnern. Wenn sie sich an die letze Woche zurück erinnern, dann haben sie die letzte Woche schlechter in Erinnerung, als sie eigentlich war. 

Genau das ist hier in der Paarbeziehung ein darstellender Risikofaktor in Beziehungen, wo schon sehr viel kaputt gegangen ist. 

Dort, wo viele Probleme sind, wo viel Verachtung ist, wo lange Überflutungen zu emotionalen Distanzierungen geführt haben. Dort ist es tatsächlich so, dass wenn man Menschen befragte, wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt oder wie waren die ersten Jahre oder wie war eigentlich die Hochzeit, dass sie hauptsächlich die negativen Dinge erinnern.

Aufrechterhaltung der grundsätzlichen negativen Stimmung

Diese negativen Gedanken führen zu einer Aufrechterhaltung der grundsätzlich negativen Stimmung in der Beziehung. Das bedeutet, wenn du das Gefühl hast, du erinnerst dich nur an schlechte Dinge, dann sollte das ein Alarmsignal für euch sein, dass ihr auf dem falschen Weg seit. Überprüfe, was ist hier eigentlich passiert und woran hapert es eigentlich? Bin ich unglücklich, ist mein Partner unglücklich? Was ist es genau? Entweder ihr versucht euch, ohne die genannten Risikofaktoren, mit Hilfe dieser Punkte einmal zu streiten oder zu diskutieren. Oder ihr holt euch Hilfe von Freunden. Oder professionelle Hilfe von Coaches und Paartherapeuten. Da würde ich wirklich aufpassen, wenn eure Gedanken an die Vergangenheit nur noch negativ sind. 

So, das waren die fünf Anzeichen die John Gottman herausgefunden hat, die ein Risiko für eure Beziehung darstellen können. Du hast es vorhin schon gelesen, man kann mit bis zu 90 Prozent Wahrscheinlichkeit, wenn man einen Streit beobachtet, vorhersagen ob die Beziehung halten wird. Das hat so viel Power. Überlege dir einmal, man guckt sich einen Streit von euch an oder auch einen Streit zwischen mir und meiner Partnerin und kann sagen: „Ja, die werden sich mal trennen, wenn es so weiter geht.“. 

Trennung verhindern - Fazit

Jetzt noch einmal kurz als Wiederholung: 

Ein Streit an sich oder eine Meinungsverschiedenheit sind erst einmal kein Risikofaktor für die Beziehung, sondern alles, was herum passiert. Wenn du  all diese Dinge identifiziert hast, kannst du daran noch arbeiten, um deine Trennung verhindern zu können.

Ich hoffe, diese beiden Artikel haben dir weiter geholfen und haben dir gefallen. Vielleicht hast du einige Gedankenimpulse mit genommen. Wenn ja, freue ich mich über deinen Kommentar. Das hilft mir, meine Mission weiterzuführen. Ich möchte möglichst viele Menschen erreichen und ihnen helfen, eine glückliche Beziehungen zu führen, weil man muss heutzutage keine unglückliche Beziehung mehr führen muss. 

Man muss nicht unglücklich Single sein man, muss auch nicht unglücklich in der Beziehung sein, wenn man gewisse Prinzipien beherzigt. Diese Prinzipien lernt ihr unter anderem hier in dem Blog

Trennung verhindern, indem du dir einen Profi an die Seite holst

Wenn du nun auch ein Problem in deiner Beziehung hast oder merkst, dass ein paar dieser Anzeichen auf dich zutreffen, so ist noch nichts verloren. Bewirb dich doch einfach mal auf ein kostenloses Erstgespräch und wir schauen uns deine Situation mal gemeinsam an:  https://ramon-schlemmbach.de/erstgespräch003b



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