Wut auf Eltern im Erwachsenenalter: Woher sie kommt und wie sie dir helfen kann

„Klar, kann ich gerne machen!” hörst du dich sagen und denkst im selben Moment „Mist! Ich will das absolut nicht machen”. Doch es ist zu spät für ein Nein, denn du hast bereits zugesagt. Wir alle erleben diese Momente, in denen wir uns verpflichten, bevor wir wirklich darüber nachgedacht haben. Lernen, Nein zu sagen, ist eine wichtige Fähigkeit, die jeder Mensch beherrschen sollte, um sich abzugrenzen. Es ist nie zu spät, um die Kontrolle zurückzugewinnen und das Neinsagen zu meistern. Wenn du dich regelmäßig in solchen Situationen wiederfindest, bist du hier genau richtig. Dieser Artikel bietet wertvolle Tipps und Strategien, um selbstbewusst und effektiv Nein zu sagen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

  • „Das ist wieder so typisch für sie!”, rufst du entrüstet und beendest wütend das Telefonat mit deiner Mutter. “Nie hört sie mir richtig zu, und wenn ich von einem Problem erzähle, höre ich nur Vorwürfe. Sie macht alles nur schlimmer!”. Dein Herz rast vor Wut. Am liebsten würdest du noch zehn vorwurfsvolle Nachrichten hinterher schreiben … („NIE kannst du …”) … und vielleicht tust du das auch noch. Leider fühlst du dich danach aber nur noch schlechter.

Kommt dir diese Szene bekannt vor? Dann bist du vielleicht von einer wiederkehrenden Wut auf deine Eltern betroffen. Deren Wurzeln können jedoch viel tiefer liegen, als dir bewusst ist. In unserem Blogartikel erfährst du, woher die Wut auf deine Eltern kommt und warum sie dir sogar helfen kann. Wir zeigen dir, was du tun kannst, um die Wutgefühle dauerhaft loszuwerden: Indem du sie sinnvoll als Anstoß nutzt, deine negativen Kindheitsprägungen aufzuarbeiten. So kannst du eine dauerhaft gesunde, konfliktfreie Beziehung zu deinen Eltern und anderen Menschen aufbauen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die wiederkehrende Wut auf deine Eltern entsteht durch das Gefühl, dass deine Eltern Schuld an deinen heutigen Problemen sind.
  • Auch, wenn sich deine Eltern heute noch regelmäßig schlecht dir gegenüber verhalten, ist wiederkehrende Wut auf sie häufig eine Folge.
  • Wenn du von wiederkehrender Wut auf deine Eltern betroffen bist, stecken oft  negative Kindheitsprägungen dahinter, die dein Leben auch heute noch negativ beeinflussen.
  • Deine Wut ist dein Freund, nicht dein Feind. Sie kann dir helfen, indem sie dir aufzeigt, dass du an unverheilten Wunden aus deiner Kindheit leidest. Sieh die Wut daher als Treibstoff, deine Kindheit endlich aufzuarbeiten (das Lesen dieses Artikels ist der erste Schritt).

Wut auf Eltern im Erwachsenenalter: Was sind die Auslöser?

Wenn du regelmäßig Wut auf deine Mutter oder deinen Vater (oder beide) empfindest, dann denkst du dir vielleicht, dass du diesen Absatz direkt überspringen kannst. Schließlich kennst du die Situationen doch ganz genau, in denen du wütend wirst. Jedoch lohnt es sich immer, etwas genauer hinzuschauen. 
Die Wut auf deine Eltern kann typischerweise in zwei Situationen entstehen: im direkten Kontakt  oder indirekt durch Trigger-Situationen mit anderen Menschen.

1. Beispiele für Wut, die im direkten Kontakt mit deinen Eltern entsteht

  • „Das ist wieder typisch für Sandra!”. Beim sonntäglichen Familienessen sagt deine Mutter am versammelten Tisch etwas über dich, das dich verletzt und wütend macht. Du fühlst dich von ihr bloßgestellt. Während du deine Kuchengabel etwas zu fest umklammerst, denkst du bereits über eine Ausrede für nächsten Sonntag nach. Denn letzte Woche gab es auch schon so eine Aussage, und dir reicht’s einfach …
  • Du erzählst deinem Vater von deinem neuen Job, auf den du richtig stolz bist. Aber wieder einmal macht er dir nur Vorwürfe, dass du doch eigentlich lieber nochmal studieren solltest. Und sowieso hättest du doch viel mehr Potenzial gehabt. Du hast dir gewünscht, dass er Interesse zeigt – stattdessen fühlst du dich herab gewertet.
  • Du erzählst deiner Mutter, dass du am Wochenende noch nichts vorhast und sie antwortet, wie gewöhnlich, indem sie dir von ihrem straffen Zeitplan erzählt. Eigentlich hättest du dir gewünscht, dass sie dich besuchen kommt. Aber wie schon früher, hat sie einfach nie Zeit für dich und alles andere ist immer wichtiger.
  • Du triffst dich mit deinem Vater nach langer Zeit endlich mal wieder zum Essen und hast so viel, das du ihm erzählen möchtest. Stattdessen musst du dir, wie immer, einen stundenlangen Vortrag über seine neueste Wanderroute anhören. Er interessiert sich einfach nicht für dich! Mit jeder Minute, in der du dich nicht wahrgenommen fühlst, wirst du noch genervter und kannst ihm gar nicht mehr richtig zuhören.

2. Beispiele für indirekte Wut auf deine Eltern, die im Kontakt mit anderen entsteht

  • Nach einer schmerzhaften Trennung stellst du fest, dass du „schon wieder an die falsche Partnerin geraten” bist. Es scheint ein Muster zu sein: Erneut wurdest du nicht mit dem Respekt und der Wertschätzung behandelt, die du dir wünschst. Und wieder erinnert dich das Verhalten deiner Ex-Partnerin irgendwie an das deiner Mutter. Du denkst: „Es ist die Schuld meiner Mutter, dass ich immer an die falschen Partnerinnen gerate!”
  • Du bist selbst Mama oder Papa geworden. Während du und dein Partner aktiv Zeit mit euren Kindern verbringt, kommt bei dir die Erinnerung hoch: „Ich wurde immer nur allein gelassen und nicht beachtet … Ich kenne so etwas gar nicht von früher.” Der Gedanke drängt sich auf und macht dich wütend: Wer wäre ich heute, wenn meine Eltern mich besser behandelt hätten
  • Auch, wenn du bereits aktiv deine Kindheit aufarbeitest, ist indirekte Wut auf deine Eltern keine Seltenheit: Denn hier erinnerst du dich bewusst an schlimme und schwere Situationen deiner Kindheit. Aus dem Blickwinkel eines Erwachsenen wird dir erst richtig klar, was deine Eltern damals falsch gemacht haben.

💡 Wut auf die Mutter oder auf den Vater – gibt es da Unterschiede?


Bei Vätern sind die negativen Kindheitserfahrungen öfter von Abwesenheit geprägt. Das liegt in der Natur der Beziehungsdynamik zwischen Eltern und Kind: Während in den ersten Lebensjahren des Kindes der Vater häufig arbeitet, ist die Mutter mit dem Kind meist zu Hause. Bei einer Trennung der Eltern lebt ein Kind zudem häufig bei der Mutter und sieht den Vater seltener, in vielen Familien nicht öfter als einmal die Woche.

Die Folge: Väter sind in den Kindheitsjahren öfter emotional oder physisch weniger präsent als Mütter. Das führt oft zu Gefühlen der Enttäuschung, der Verlassenheit oder des Unverstandenseins. Wut auf Väter zeigt sich somit häufiger in dem Gefühl, vom Vater im Stich gelassen zu werden (die “Verlassenheitsprägung”) oder für ihn nicht wichtig bzw. wertvoll genug zu sein (die „Unzulänglichkeitsprägung”).

Wie äußert sich die Wut auf deine Eltern?

Wut auf die Eltern im Erwachsenenalter äußert sich oft in vielfältigen und manchmal überraschenden Formen. Ein klassisches Beispiel ist die Wut, die entsteht, wenn erwachsene Kinder das Gefühl haben, ihre Eltern hätten sie in der Kindheit nicht ausreichend unterstützt oder verstanden. Diese Wut kann in Momenten zum Vorschein kommen, in denen deine Eltern dir Ratschläge geben, die du als übergriffig empfindest.

Ein weiteres Beispiel ist der Ärger über ungelöste Konflikte aus der Vergangenheit, der während Familientreffen aufkochen kann. Etwa, wenn alte Geschichten oder Streitigkeiten bei einem Familienessen wieder aufgewärmt werden und alte Wunden öffnen. 

Vielleicht kennst du auch das Gefühl einer tief sitzenden Frustration, wenn deine Eltern bestimmte Lebensentscheidungen nicht nachvollziehen oder unterstützen, zum Beispiel die Wahl eines Lebenspartners, berufliche Entscheidungen oder den Lebensstil. 

Manchmal kann sich die Wut aber auch subtiler zeigen. Distanzierst du dich von deinen Eltern, machst häufig ironische Kommentare oder hast immer etwas anderes vor, wenn deine Mutter anruft? Dann drückt sich deine Wut nicht durch laute Auseinandersetzungen aus, sondern durch eine kühle Distanz. Die ist manchmal schwerer zu überbrücken als offene Worte.

Typische Formen, in denen sich die Wut auf deine Eltern äußern kann, sind:

  • Verbale Ausbrüche
  • Sarkasmus und zynische Bemerkungen
  • Rückzug und Distanzierung
  • Vermeidung von Kontakt oder Gesprächen
  • Körperliche Anzeichen wie angespannte Körperhaltung oder fester Gesichtsausdruck
  • Überempfindlichkeit auf Kritik
  • Wiederholtes Aufwärmen alter Konflikte
  • Gefühle von Enttäuschung oder Verrat
  • Niedergeschlagenheit oder depressive Stimmungen
  • Übermäßige Kritik an den Eltern oder deren Lebensentscheidungen
  • Schuldzuweisungen

🚑 Umgang mit der Wut in Akutsituationen: Erste-Hilfe-Tipps
Mehr Informationen dazu, wie du mit unkontrollierbarer Wut auf deine Eltern und andere Menschen umgehen kannst, findest du in unserem Blogartikel zum Thema „Wut loswerden”. Oder schau doch mal in das Video von Ramón Schlemmbach zum Thema „richtiger Umgang mit Wut in Akutsituationen”.

Horche in dich hinein: Warum bist du wirklich wütend? 

Wir unterscheiden zwischen situationsbedingter Wut, die in bestimmten „Ausnahmesituationen” auftritt und in jeder Beziehung normal ist, und wiederkehrender Wut, die wie ein Muster immer wieder in Triggersituationen auftritt. Erlebst du wiederkehrende Wutgefühle auf einen oder beide Elternteile, dann ist die Antwort auf das „warum?” relativ eindeutig: Du leidest vermutlich an einer unzureichend aufgearbeiteten Kindheit. 

Eltern-Kind-Beziehung: Wie Eltern ihre Kinder fürs Leben prägen

Die Situationen, unter denen du als Kind gelitten hast, haben dich negativ geprägt. Wenn du die Gefühle, denen du damals hilflos ausgesetzt warst, heute bei deinen Eltern wieder durchfühlst, erinnert sich dein inneres Kind an den Schmerz. Diesen Schmerz hast du nie richtig aufgearbeitet. Das Resultat ist: Anstatt mit Akzeptanz zu reagieren („so ist Mama / Papa halt”), wirst du wütend – denn deine Eltern haben mit ihrer Aussage eine Wunde getroffen, die nie verheilt ist.

Warum ist es so wichtig, deine Wut aktiv anzugehen?

Nun könntest du natürlich sagen: Gut, ich bin wütend auf meine Eltern oder einen Elternteil, aber ich bin ja auch erwachsen. Ich lebe alleine und gestalte mein Leben ohne meine Eltern. Über die Wut, die ein-zweimal die Woche hochkocht, kann ich hinwegsehen. Warum solltest du dich dennoch tiefer damit auseinandersetzen? Wir nennen dir drei triftige Gründe, die dafür sprechen, an den Wutgefühlen zu deinen Eltern aktiv zu arbeiten:

Diese Faktoren spielen eine wichtige Rolle:

1. Der Teufelskreis: Das Verhältnis wird immer schlechter …

Beziehungsdynamiken verharren selten, wie sie sind – sie entwickeln sich weiter. Du kannst vielleicht bereits beobachten, dass das Verhältnis zu deinen Eltern sich über die Jahre immer weiter verschlechtert. Jeder neue Streit, der alte Wunden hochkochen lässt, ist belastend für dich und deine Eltern. Und das nicht ohne Grund. Denn deine Wut hat eine wichtige Funktion: Sie möchte dich auf eine unverteilte Wunde aufmerksam machen.

2. Das Paradoxe: Die emotionale Abhängigkeit von deinen Eltern

Man sollte meinen, dass man sich bei wiederkehrender Wut auf die Eltern immer weiter von diesen distanziert. Denn schließlich tut die Wut einem ja nicht gut, und als erwachsener Mensch ist man weder finanziell noch emotional von ihnen abhängig. Warum lässt du deine Eltern nicht einfach hinter dir und lebst dein eigenes Leben (und machst alles mit deinen Kindern besser)? 

Paradoxerweise beobachten wir oft das genaue Gegenteil. Erwachsene Kinder, die unter wiederkehrenden Konflikten mit ihren Eltern leiden, sind emotional oft abhängiger von den Eltern als andere. Der Grund dafür ist, dass der unverheilte Schmerz zwischen dir und deinen Eltern dir eine gesunde Ablösung erschwert.


Spiegel deiner alltäglichen Erfahrungen.

Im Spiegel deiner alltäglichen Erfahrungen – beispielsweise wiederkehrende Probleme in Beziehungen oder auf der Arbeit – siehst du immer wieder deine Eltern als Schuldige
Daher ist die Wut auf deine Eltern als „Symptom” eine Aufforderung deines inneren Kindes, die Aufarbeitung deiner Kindheit anzugehen und selbst Verantwortung für dein Leben übernehmen zu können. 

3. Die Wut als Chance: Geh die Aufarbeitung deiner Kindheit an

Sieh es so: Die Wut auf deine Eltern ist nicht dein Feind, sondern dein Freund. Denn sie möchte dir helfen und dir etwas Wichtiges mitteilen. Sie entsteht in Momenten der Hilflosigkeit und hat eine klare psychologische Funktion. Wut erzeugt bei dir Gefühle von hohem Leidensdruck („es muss sich etwas ändern”), aber auch von Selbstbewusstsein und Energie. Diese Emotionen treiben dich an, nicht in Passivität zu verharren. Du kannst die Wut als einen Treibstoff ansehen, der dir dabei hilft, deine Probleme an der Wurzel zu packen und dich mit deinem Kindheitsschmerz auseinanderzusetzen.Die Wut dient dir als Signal und Antrieb, um aktiv zu werden und Lösungen zu finden. So kann aus der zunächst unangenehmen Wut eine produktive Kraft entstehen. Du kannst sie nutzen, um deine negativen Kindheitsprägungen endlich anzugehen und das Verhältnis zu deinen Eltern und zu dir selbst zu heilen.

Wie kannst du die Wut auf deine Eltern loslassen? 

Mit dieser Frage bist du wahrscheinlich hier hergekommen. Doch genau da müssen wir auch direkt einhaken. Denn es kommt nicht darauf an, dass du die Wut auf deine Eltern schnellstmöglich „loswirst”. Sondern es geht darum, die Gründe hinter der Wut aufzuarbeiten und so die Wut gehen zu lassen, weil du sie nicht mehr länger benötigst. Das bedeutet gleichzeitig, dass du deine negativen Kindheitsprägungen überwinden musst. 

MERKE: Die wiederkehrende Wut auf deine Eltern entsteht durch das Gefühl, dass sie Schuld an deinen heutigen Problemen sind, oder weil sie sich noch heute unangemessen verhalten und dich dadurch hilflos machen.

Deine Eltern sind natürlich nicht Schuld an deinen Problemen als Erwachsener, denn du bist selbst für dein Leben verantwortlich. Man könnte aber sagen, dass deine Eltern eine Mitschuld daran tragen, dass dir die Ressourcen fehlen, deine Herausforderungen im Leben besser zu meistern

Wichtig ist aber, dass du dir klarmachst: Die Schuld deiner Eltern liegt in der Vergangenheit. Deine Eltern können es nicht mehr rückgängig machen, auch wenn sie es wollten. Daher ist es jetzt deine Aufgabe, aktiv deine Vergangenheit zu beleuchten und deine belastenden Glaubenssätze zu verändern. Und das ist möglich – mit dem 5-Phasen-Programm zur Aufarbeitung negativer Kindheitsprägungen.

So arbeitest du deine negativen Kindheitsprägungen in 5 Schritten auf

Unserer Erfahrung nach erfordert die Aufarbeitung deiner Kindheit ein sehr strukturiertes Vorgehen. Hierfür hat der klinische Psychologe und Coach Ramón Schlemmbach, aufbauend auf vielen Jahren Erfahrung mit seinen Klienten, das bereits hundertfach bewährte 5-Phasen-Programm „Geprägt! Aber richtig” zusammengestellt. Die 5 Phasen bzw. Schritte sind:

Schritt 1: Negative Kindheitsprägungen ermitteln

Zuerst ist es wichtig, dass du einen tieferen Blick auf deine negativen Kindheitsprägungen wirfst. Hierfür setzen wir uns mit gezielten Fragen intensiv mit dir auseinander. Gemeinsam ermitteln wir die Situationen, in denen du wütend wirst. Wir beleuchten, welche weiteren Gefühle du dabei noch empfindest. Verletztheit, Scham, Druck oder Abwertung sind nur einige Beispiele, die häufig mit deiner Wut einhergehen. Du füllst bei uns spezielle Fragebögen aus, die dir deine individuellen negativen Kindheitsprägungen zeigen.

In unserem Minikurs findest du mit Online-Fragebögen heraus, von welchen von insgesamt 11 negativen Kindheitsprägungen du in welchem Ausmaß betroffen bist.
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Schritt 2: Ursprungssituationen für Prägungen finden

Du hast dich entschieden, tief in deine Vergangenheit zu blicken und Ursprungssituationen zu erkunden – ein mutiger Schritt. Dabei merkst du jedoch bald, wie sich noch mehr Wut auf deine Eltern aufbaut. Diese „Erstverschlimmerung” ist ganz normal, wenn du alte Geschichten wieder aufrollst.

In solchen Momenten, wenn die Wut besonders intensiv erscheint, ist es wichtig, dass du dich daran erinnerst: Diese starken Wutgefühle werden vorübergehen. Gib dir Raum und erlaube dir, diese Gefühle erneut intensiv zu durchleben.

💡 Jetzt kannst du den Kontakt zu deinen Eltern vorübergehend reduzieren:
Falls die Wut überwältigend wird und du sie im Moment nicht kontrollieren oder bei Seite schieben kannst, ist es völlig in Ordnung, den Kontakt zu deinen Eltern vorübergehend zu reduzieren. Manchmal brauchen wir physischen und emotionalen Abstand, um unsere Gedanken zu sortieren und unsere Gefühle zu verstehen.

Schritt 3: Die Ursprungssituationen entmachten

Nachdem wir die Ursprungssituationen für deine negativen Kindheitsprägungen gefunden haben, ist der nächste Schritt, diese zu entmachten. Dafür betrachten wir ein konkretes Beispiel: Als Kind hast du deine Spielsachen nicht aufgeräumt. Als Reaktion darauf hat dein Vater diese wütend weggeworfen, was dir wehgetan hat, sich ungerecht und schmerzvoll anfühlte. Zur Entmachtung gehen wir nun so vor:

1. Erlebe die Situation erneut:

Du versetzt dich möglichst intensiv zurück in diese Situation. Spüre die Traurigkeit und das Unverständnis, das du als Kind empfunden hast. Erlaube dir, diese Emotionen erneut zu durchleben, und lasse den Schmerz zu.

2. Mache dir klar, was deine Eltern falsch gemacht haben:

Betrachte die Handlung deines Vaters aus heutiger Sicht: Es war unangemessen, die Spielsachen einfach wegzuwerfen, anstatt mit dir über die Bedeutung von Ordnung zu sprechen. Erkenne, dass das Verhalten deines Vaters unangemessen war.

3. Gib deinem inneren Kind, was es gebraucht hätte:

Stelle dir vor, wie du als Erwachsener deinem damaligen Ich beistehst. Was hätte dir geholfen, nachdem dein Vater dich so behandelt hat? Hätte es dir geholfen, in den Arm genommen zu werden? Hätte es dir geholfen, wenn dir jemand erklärt, dass dein Vater sich unangemessen verhalten hat und dass es nicht deine Schuld war? Was auch immer du damals gebraucht hättest, gibst du dir in der Entmachtungsübung selbst. 

Schritt 4: Positive Glaubenssatzarbeit

Der nächste Schritt in deiner emotionalen Befreiung ist das Überprüfen und Anpassen deiner tief verankerten Glaubenssätze. Mal angenommen, dein Papa hat dich immer so hart bestraft, wenn du nicht gut genug das gemacht hast, was er wollte. Aus diesem Grund hast du heute Angst, nein zu sagen, weil du Angst hast, dass dein Gegenüber auch wütend wird, wie Papa damals. Dann hast du evtl. den Glaubenssatz „Für meine Bedürfnisse einstehen ist gefährlich”. Dieser und andere Glaubenssätze beeinflussen dein Leben. Im vierten Schritt finden wir sie und lösen sie auf.

Schritt 5: Neue Verhaltensweisen etablieren

Im letzten und schönsten Schritt wirst du die positiven Auswirkungen hautnah erleben, die die Entmachtungs- und Glaubenssatzarbeit dir im Hier und Jetzt bringen. Gewappnet mit neuen, gesunden Glaubenssätzen gehst du jetzt ganz bewusst anders mit deinen Eltern um als davor. Ein paar Beispiele:

  • Wenn deine Mutter beim Familienessen einen unangebrachten Kommentar über deinen neuen Job macht, bleibst du jetzt gelassen. Denn du hast den neuen Glaubenssatz: „Meine Arbeit / Berufung ist gut und wertvoll und ich gehe selbstbewusst meinen eigenen Weg.” Vielleicht reagierst du sogar mit einer humorvollen Bemerkung und bringst die anderen am Tisch damit zum Lachen (die insgeheim den Kommentar genauso unangebracht fanden).
  • Wenn dein Vater beim gemeinsamen Treffen wieder nur von sich redet, tut dir das jetzt nicht mehr weh, weil du jetzt die Glaubenssätze hast: „Ich bin es wert, dass man mir zuhört und sich für mich interessiert” und “er braucht es, ständig über sich zu reden, weil er geprägt ist, wie er geprägt ist”. Statt einen Streit zu beginnen, verabschiedest du dich heute etwas früher und triffst dich mit einer Freundin, die mehr Interesse an deinem Leben zeigt.
  • Wenn deine Eltern dich sonntags wieder einmal dazu nötigen wollen, sie ins Einkaufszentrum zu fahren oder ihnen bei der Gartenarbeit zu helfen, kannst du jetzt klar kommunizieren: „Nein, ich habe heute etwas anderes zu tun.”, denn du hast gelernt: Du darfst nein sagen und Grenzen ziehen. Vielleicht wirst du sogar die überraschende Beobachtung machen, dass deine Eltern deine Grenzen respektieren.

Du wirst sehen: Wenn du es schaffst, die Herausforderungen im Umgang mit deinen Eltern zu bewältigen, verflüchtigt sich auch deine Wut. Du erinnerst dich zwar, dass die Situation problematisch war. Doch die emotionale Last der Wut lässt nach, weil du ihr nicht mehr hilflos ausgesetzt bist. Jetzt hast du Glaubenssätze, die du dem Verhalten deiner Eltern wie ein Schild entgegenhalten kannst.

Du möchtest die Wut auf deine Eltern und negative Erinnerungen an deine Kindheit aufarbeiten und loslassen? Du träumst davon, endlich Frieden und Erfüllung finden – auch in deinen jetzigen Beziehungen? Das Coaching-Programm „Geprägt! Aber richtig” ist der erste Schritt auf diesem wichtigen Weg, der vor dir liegt. Sichere dir jetzt einen Gesprächstermin mit dem erfahrenen Psychologen Ramón Schlemmbach und seinem Team. 

4 zusätzliche Expertentipps zum Umgang mit Wut auf deine Eltern 

Die eigene Kindheit aufzuarbeiten, ist ein wichtiger und lohnenswerter, aber auch ein langer Weg. Auf diesem Weg wirst du immer wieder Rückschläge erleben. Das ist ganz normal und gehört dazu – lass dich davon nicht entmutigen. Damit du deiner Wut in Akutsituationen weniger hilflos ausgesetzt bist, hat der erfahrene Psychologe Ramón Schlemmbach 4 Expertentipps für dich:

1. Perspektivwechsel: Frag dich, was ist die Not deiner Eltern?

Oft hilft ein Perspektivwechsel. Sieh deine Eltern als fehlbare Menschen mit eigenen Herausforderungen. Frage dich, was ihre Not gewesen sein könnte, als sie Fehler im Umgang mit dir machten. Was ist ihr eigener Kindheitsschmerz, den sie (ungewollt) an dich weitergeben? Falls du und deine Eltern offen dafür sind, lohnt es sich oft, das Gespräch zu suchen. Aber keine Sorge, falls deine Eltern für solche Gespräche nicht offen sein sollten, kannst du eine Kindheitsaufarbeitung auch ohne sie durchführen.

💡 „Papa, warum hast du nie … ?” – wann du Abschied von der Frage nach dem „warum” nehmen solltest
An sich ist es eine gute Sache, wenn du versuchst, dich in deine Eltern hineinzuversetzen oder ein klärendes Gespräch zu suchen. Aber bedenke auch: Du kannst nicht immer herausfinden, warum deine Mutter oder dein Vater dich damals falsch behandelt haben. Deine Eltern haben ihre ganz eigenen Kindheitserfahrungen gemacht, in die du nur einen begrenzten Einblick hast. Sie gehören einer anderen Generation an, in der weniger offen mit solchen Themen umgegangen wurde als heute. Daher kann es sein, dass sie über manche Kindheitserfahrungen, die ihnen widerfahren sind, nicht sprechen können.

Wenn du also merkst, dass du keine Erklärung für das Verhalten deiner Eltern findest, ist es am besten, dir folgendes klarzumachen: Du musst deine Eltern nicht verstehen, um zu erkennen, dass ihr Verhalten dir gegenüber falsch war. Du kannst trotzdem erkennen, dass du einen liebevolleren, respektvolleren Umgang gebraucht und verdient hättest.

2. Die Vorwürfe deiner Eltern spiegeln häufig sie selbst, nicht dich

Menschen sehen die Welt nicht wie sie ist, sondern wie sie selbst sind. Denn je nachdem, welche Glaubenssätze wir haben, interpretieren wir die Welt unterschiedlich. Das heißt, wenn Menschen dir Vorwürfe machen, sagt das häufig viel mehr über sie aus als über dich. Das gilt natürlich auch für deine Eltern. 

Denk also immer daran, dass das, was deine Eltern dir vorwerfen, oft mehr mit ihnen zu tun hat als mit dir. Dazu gibt es das Sprichwort:

3. Nimm Abschied von unerfüllten Wünschen

Wenn du dich tiefer mit deinen Kindheitserfahrungen auseinandersetzt, werden immer wieder deine unerfüllten Kindheitswünsche hochkommen. Du wirst dir vielleicht Fragen stellen wie:

  • Wer könnte ich heute sein, wenn meine Kindheit besser verlaufen wäre?
  • Wie viel selbstbewusster / erfolgreicher in Beruf und Beziehung könnte ich sein?
  • Wie viel erfüllter und glücklicher könnte mein Leben sein?

Es ist an sich kein Fehler, dass du dir diese Fragen stellst. Denn du kannst all das erreichen und verbessern, wenn du deine negativen Kindheitsprägungen aufarbeitest. Du selbst kannst dir heute das geben, was dir deine Eltern dir damals leider nicht geben konnten.
Die Liebe, Wertschätzung, Anerkennung oder Aufmerksamkeit, die du immer gebraucht hast, hast du verdient – aber du musst auch klar erkennen, dass deine Eltern nicht in der Lage waren, dir dies zu geben. Es gibt auch dazu ein Sprichwort:

„Du kannst Heilung nicht dort suchen, wo du erkrankt bist.”

Erwarte also nicht von deinen Eltern, das zu heilen, was sie selbst verursacht haben. Dafür müssten sie sich selbst intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Doch die gute und ermächtigende Nachricht ist: Du bist selbst in der Lage, deine unerfüllten Wünsche jetzt zu erfüllen. Indem du deine eigenen Glaubenssätze änderst und aktiv Beziehungen zu Menschen aufbaust, die dich angemessen behandeln.

4. Kontaktabbruch – oder lieber ein klärendes Gespräch suchen?

Viele fragen uns, ob sie den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen oder lieber ein klärendes Gespräch suchen sollen. Hier solltest du in dich hineinhorchen. Hast du das Gefühl, ein klärendes Gespräch würde dir bei der Aufarbeitung helfen? 

Dann suche das Gespräch. Hast du das schon längst gemacht – womöglich schon mehrmals – und du merkst, es ist keine Bereitschaft zur Veränderung seitens deiner Eltern da? Dann solltest du dir ernsthaft Gedanken machen, ob du das weiterhin so mitmachen möchtest. Manchmal ist es sinnvoller, den Kontakt abzubrechen. Zum Beispiel, wenn du merkst, dass …

  • deine Mutter oder dein Vater dir dauerhaft schadet, 
  • ein Elternteil deine eigenen Grenzen nicht respektiert, 
  • dich dauerhaft herabsetzt, 
  • immer wieder Selbstzweifel bei dir säht oder 
  • immerzu dein Selbstwertgefühl mindert. 

Tipp speziell für Unterwerfungs-Geprägte: Wenn du dazu neigst, dich zu unterwerfen, und die Eltern eine dominante Rolle einnehmen, kann es hilfreich sein, wenn du zunächst versuchst, Grenzen zu setzen. Vielleicht ändert sich die Reaktion deiner Eltern dann. Daher solltest du hier nicht vorschnell den Kontakt abbrechen. Wenn du aber merkst, dass sich trotzdem nichts ändert, dann mache dir klar:

💡 Die Aufarbeitung der Kindheit geschieht in deinem eigenen Kopf.
Ein klärendes Gespräch mit deinen Eltern ist sinnvoll, wenn du dich gut damit fühlst, aber nicht zwingend notwendig. Du musst dich nicht schuldig fühlen, wenn du den Kontakt zu deinen Eltern abbrichst. Es ist deine freie Entscheidung, weil es dir ohne den Kontakt besser geht und du den Kontaktabbruch zu deiner eigenen Heilung benötigst.

Fazit: Nutze die Wut auf deine Eltern als Chance

Abschließend möchten wir dir einen wichtigen Gedanken mitgeben. Die Frage nach dem „Warum” ist es, die viele erwachsene Kinder immerzu beschäftigt und ihnen oft  im Weg steht. Warum konnte mein Vater oder meine Mutter mir nicht die Liebe, Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Zuwendung geben, die ich gebraucht hätte? Ist es nicht eigentlich das natürlichste der Welt für Eltern, ihr Kind über alles zu lieben?

Die Antwort lautet: Ja, das ist es. Aber dennoch ist es eine der schwersten Aufgaben im Leben eines Menschen, Kinder großzuziehen. Viele Eltern hatten selbst eine schwere Kindheit und sind ebenfalls „falsch programmiert” bzw. geprägt worden. Oft realisieren sie gar nicht, wie sehr sie dir als Kind weh getan haben. Oder sie sind so sehr mit ihrem eigenen unverheilten Schmerz beschäftigt, dass sie dir nicht mehr Liebe geben können, als sich selbst.

Gewinne Autonomie & Freiheit: Löse den Schmerz dauerhaft auf

So schwer es auch sein mag: Um deine Kindheit aufzuarbeiten, musst du die Frage nach dem „warum” manchmal gehen lassen. Wichtig für dich ist, zu erkennen, dass du die Macht hast, deinem inneren Kind die vermisste Liebe und Wertschätzung als erwachsener Mensch selbst zu geben. Die Aufarbeitung deiner Kindheitsprägungen geschieht ausschließlich in deinem eigenen Kopf. 
Wenn du dein inneres Kind geheilt hast, wird sich auch die wiederkehrende Wut auf deine Eltern verbessern oder sogar ganz verschwinden. Das nächste Mal, wenn du wütend auf deine Mutter oder deinen Vater bist, denke daran: Die Wut ist nichts anderes als deine eigene Selbstliebe, die protestiert, weil sie endlich heilen möchte – und darf!

In Kürze: Wut auf Eltern im Erwachsenenalter verstehen & überwinden

Wenn du als erwachsener Mensch unter wiederkehrender Wut auf deine Eltern leidest, ist das ein starker Hinweis darauf, dass negative Kindheitsprägungen dahinter liegen, die du noch nicht aufgearbeitet hast. Die wiederkehrende Wut entsteht durch das Gefühl, dass deine Eltern Schuld an deinen heutigen Problemen sind. Um deine Herausforderungen selbst anzugehen und mit deinen Eltern Frieden zu schließen, kannst du deine Kindheit mit professioneller Unterstützung aufarbeiten. Durch gezielte Diagnose deiner Kindheitsprägungen, gefolgt von Entmachtungsübungen und Glaubenssatzarbeit, ist es möglich, dein inneres Kind zu heilen und deinen Eltern zu verzeihen. Es ist ein Weg, der sich in jedem Alter lohnt. Denn nur, wenn du die Schatten deiner Vergangenheit besiegst, wirst du im Hier und Jetzt gesunde Beziehungen aufbauen. Zu deinen Eltern, zu deinem Partner, deinen Freunden und, am wichtigsten: zu dir selbst.

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